Nein ich bin nicht schwanger. Da war kein zweiter Streifen!

Vor kaum mehr als vier Jahren, im Frühsommer, an einem Samstag. Warum ich das noch so genau weiß? Weil samstags in unserem Stadtteil immer Wochenmarkt ist. Jeden Samstag. Und weil DIESER Samstag mein komplettes Leben auf den Kopf stellen sollte. Worüber ich mir damals glücklicher Weise noch völlig im Unklaren war!

Es war endlich Wochenende und ich hatte Zeit den Schwangerschaftstest, den mir eine Kollegin unauffällig bei der Arbeit in einem Briefumschlag zugesteckt hatte, auszuprobieren. Um meine Vermutung endlich zu wiederlegen oder zu bestätigen.

Ich packte also diesen Schnelltest, ohne detaillierte Anleitung, der in Arztpraxen üblicherweise verwendet wird aus und startete mit dem Euch allen hoffentlich hinlänglich bekannten Prozedere. Was soll ich sagen, ich war nicht schwanger. Es war nur ein Streifen zu sehen, der zweite hatte sich nicht verfärbt. Mit einer Mischung aus Erleichterung und einem Hauch von Enttäuschung, machte ich mich ausgehfertig, schnappte mir mein Fahrrad und fuhr zum Markt. Dort angekommen erledigte ich, nach einigem hin und her schlendern, meine üblichen Wochenendeinkäufe.

An diesem Samstagvormittag war es sehr heiß und ich fasste den spontanen Entschluss bei unserem Sarden vorm Lokal unter einem Sonnenschirm im Schatten Platz zu nehmen. Um mir einen Aperol Sprizz zu bestellen und eine Zigarette aus der gerade eben gekauften Schachtel anzuzünden.

Da der Aperol ausgegangen war, welcher flugs im nahegelegenen Supermarkt vom Kellner besorgt wurde, erinnere ich mich so genau daran was ich damals vor so langer Zeit trank. Etwa, nein ziemlich genau eine halbe Minute nachdem ich mir die erste Zigarette aus der neuen Schachtel ansteckte, rief man um genauer zu sein mein Mann mich auf dem Handy an um mich zu fragen wo ich denn sei. In einer Stimmlage, die einen vermuten lassen könnte ich sei entführt worden oder das Lokal, vor dem ich saß, hätte eine Bombendrohung erhalten.

Ich erklärte ihm völlig tiefenentspannt, auf meinen Drink wartend, das ich gerade vom Markt käme, mich bei unserem Sarden hingesetzt hätte und nun auf mein Getränk warte, während ich genüsslich den Rauch ausblies und zum nächsten Zug ansetzte.

Völlig entrüstet schmetterte er mir entgegen, wie ich denn das Haus verlassen könne ohne ihm Bescheid zu geben. Ich erklärte ihm abermals, dass ich doch nur auf dem Markt gewesen sei, wobei ich mich schon ein wenig wundern musste. Ich war immerhin schon 36 und bisher hatte es immer ganz gut funktioniert das Haus zu verlassen ohne vorher bei ihm aus zu checken.

Nun ja was solls der Aperol kam und mit ihm noch mehr Fragen.

Warum sagst du mir nicht Bescheid wenn du einen Schwangerschaftstest machst?

Weil ich nicht schwanger bin. Es wurde kein zweiter Streifen sichtbar.

Aber jetzt ist da ein zweiter Streifen! Wie lange hast du denn gewartet?

Mmmh, lange genug sieben Minuten würde ich sagen.

Das kann gar nicht sein. Ich habe im Internet nachgeschaut!

Oh ha, jetzt wurde es brenzlig. Mein Mann ist Wissenschaftler im wahren Leben, aber auch privat. Er möchte immer alles ganz genau wissen und dabei geht er äußerst akribisch und auch immer sehr gewissenhaft vor. Doch leider kommt er dabei Dank des World Wide Webs auch sehr effizient und vor allen Dingen viel zu schnell zu einem Ergebnis.

Das Ergebnis war, während mein Mann mit mir telefonierte und über seine neu erworbenen Kenntnisse, bezüglich der Handhabung dieses Schwangerschaftstests, dozierte hatte er sich ebenfalls sein Fahrrad geschnappt und radelte zu dem Platz unter dem Sonnenschirm.

Dort angekommen bot sich ihm eine Szenerie, die ihn in schieres Entsetzen versetzte und seine Gesichtszüge vollends entgleisen ließen.

Von da an wusste ich, dass es für eine sehr lange Zeit weder Aperol Sprizz noch andere Erwachsenengetränke mehr für mich gab und diese Zigarette meine letzte sein sollte.

Nein ich hatte nicht lange genug auf den zweiten Streifen gewartet.

Ich war doch schwanger!